Max-Klinger Haus - Großjena

Das Haus zur "Hohen Lilie" ist eines der bemerkenswertesten Bürgerhäuser der Naumburger Altstadt.

Der Straßenseitige Turm (eine sog. "Kemenate") wurde bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet, zwei Anbauten stammen wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert, ein vierter Erweiterungsbau stammt aus der Barockzeit. Damit ist die "Hohe Lilie" eines der ältesten innerstädtischen Museumsgebäude Deutschlands.

Das preisgekrönte Museum zeigt die Spuren der 750 Jahre dauernden Nutzung, ergänzt durch Kapitel der Stadtgeschichte, die Exemplarisch das Werden und Bestehen einer bürgerlichen Kommune als sinnliches und intellektuelles Erlebnis erfahrbar machen.

Stadtmuseum Hohe Lilie

Markt 18
06618 Naumburg

Tel. 03445-703503 oder 200648

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10-17 Uhr
Montag Ruhetag

An Feiertagen (Oster- und Pfingstmontag etc.) geöffnet, am 24./25./31. Dezember und am 1. Januar geschlossen.

Eintritt

4,00 Euro / ermäßigt 3,00 Euro

Frei für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen.

Führungen

Bitte anfragen.

Für Schulklassen, Kindergruppen bieten wir lehrplanbezogene Workshops für die Klassenstufen 5, 6 und 8 und ab Sommer 2020 eine thematische Museums-/Stadtrally. Bitte fragen Sie uns!

Klinger in Großjena

Max Klinger (1857–1920), der berühmte Leipziger Grafiker, Maler und Bildhauer, erwarb 1903 einen Weinberg mit zwei Weinberghäusern in Großjena. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Elsa Asenijeff, verbrachte er viele glückliche Tage auf seinem Weinberg. In den Jahren zwischen 1903 und 1920 entstanden hier zahlreiche Radierungen und eine große Anzahl an Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern.

Ab 1909 ließ er das obere Weinberghaus zu einem komfortablen Wohnhaus ausbauen. 1909/10 lernte er die 17jährige Gertrud Bock (1893-1932) kennen, die ihm Modell und spätere Gattin wurde. Nach einem Schlaganfall 1919 verlegte er seinen Hauptwohnsitz nach Großjena, heiratete Gertrud Bock und verbrachte seine letzten Tage fast ausschließlich hier. Am 4. Juli 1920 starb Klinger auf dem “Klingerberg”, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.

Die Dauerausstellung des Klinger-Hauses gibt einen umfassenden Einblick in das Leben und Schaffen des Künstlers. Glanzstücke des Museums sind die beiden großen Kachelöfen, die von Klinger selbst entworfen und geformt wurden.

Klingers Grab

Wenige Tage nach seinem Tod am 4. Juli 1920 auf seinem Weinberg in Großjena wurde Klinger hier auch beigesetzt. Klingers Grabanlage liegt auf einem kleinen befestigen Plateau des Weinbergs, leicht oberhalb des Wohnhauses. Über einen Treppenaufgang, der von zwei marmornen Hermenfiguren flankiert wird, gelangt man zur Grabstelle. Das einfach gehaltene steinerne Grab schmückt eine Bronzeplastik. Klinger selbst hat diese leicht überlebensgroße kniende männliche Figur modelliert und zeitgenössischen Überlieferungen zufolge auch selbst für sein Grab bestimmt.

Mit der Errichtung der Grabanlage hatte seine Frau Gertrud Klinger den Naumburger Architekten Gustav Menzel beauftragt, der bereits in den Jahren zuvor sämtliche Umbauten am Weinberghaus ausgeführt hatte. Die beiden Hermen aus Laaser Marmor schuf Klingers Künstlerfreund Johannes Hartmann.

Bis auf den Baumbestand hat die Anlage bis heute keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Die Gruft mit Klingers Sarg wird von einer leicht gewölbten Steinplatte abgedeckt, die auf einer niedrigen Ummauerung aufsitzt und in die die Namen und Lebensjahre der Verstorbenen eingraviert sind.

Autor: Dr. Conny Dietrich

Druckwerkstatt

Umgeben von der malerisch gelegenen Saale-Unstrut-Landschaft, inmitten des Klinger-Weinbergs können sich Interessierte auf die Spuren Max Klingers begeben. Seit 2007 bereits ist im Radierstübchen eine Radierwerkstatt eingerichtet. Unter künstlerischer Anleitung von Matthias Schöneburg, Maler und freischaffender Künstler, kann die Technik der Radierung erprobt werden. Die Radierkurse, die vom zeichnerischen Entwurf bis zum fertigen Druck führen, finden alle 4 Wochen in den Sommermonaten statt. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 8 Personen pro Kurs beschränkt. Zusätzliche Termine können gern erfragt werden. Das für die Arbeit erforderliche Material wird zur Verfügung gestellt, allgemein genutzte Materialien wie Zeichenstifte und -papier müssten von den Teilnehmenden mitgebracht werden.

Kunstschaffende und Kunstlehrer/-innen, die das Radierstübchen gern nutzen möchten, wenden sich bitte an das Stadtmuseum Naumburg (03445/703503).

Hausgeschichte

Klinger erwarb 1903 auf Empfehlung seines Freundes und Hausarztes Dr. med. Rudolf Schenkel, der dort selbst ein bedeutendes Anwesen besaß, den unteren Teil des heutigen „Klingerberges'' mit dem barocken Weinberghäuschen. Den oberhalb gelegenen Teil des Hangs pachtete Klinger hinzu. Klinger stand zu dieser Zeit im Zenit seines Erfolges, er war 46 Jahre alt und einer der einflussreichsten Künstler des deutschen Kaiserreiches. Auf dem Weinberg in Großjena, abseits der hektischen Großstadt Leipzig, fand er den ersehnten Rückzugsort. Klinger schrieb am 14. September an seinen Freund Alexander Hummel „Ein Fleck Erde, nicht zu weit vom Plagwitzatelier - doch weit genug, um entrückt zu sein der Wüste von Mauersteinen und Zeitungen, so man heute, moderne Stadt' ein Weingärtchen ist - und daß es gleich 2 Weingärtchen sind, das gefällt mir. […]“

Weinberghaus und „Schafstall" waren bereits 1903, unmittelbar nach dem Erwerb, durch den Naumburger Baumeister Gustav Menzel saniert worden. Klinger bat ihn am 27. Mai 1903 „einmal anzusehen, ob es nicht zu machen wäre, das Haus innerlich umzugestalten und zwar so, dass in der rückwärts gelegenen Giebelseite eine Art Atelier mit erhöhtem Fenster eingerichtet werden könnte, im vorderen Theil eine kl. Küche, Zimmer und Oberstübchen, für Leutewohnung“. Klinger ließ das auf seinem Grundstück befindliche bescheidene Winzerhäuschen für sich einrichten, das Gebäude auf dem zunächst durch Pacht hinzu erworbenen oberen Weinberg für seine Lebensgefährtin der Wiener Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Elsa Asenijeff. Klinger genoss die häufigen Aufenthalte in Großjena so sehr, dass er 1906/07 auch den gepachteten Teil des Weinbergs erwarb. 1909 konnte Klinger sein Anwesen durch den Kauf eines angrenzenden Weinbergs noch einmal beträchtlich vergrößern. Der Auftrag für den Umbau des oberen Weinberghauses zu einem komfortablen Wohnhaus erging 1910 abermals an den Naumburger Baumeister Gustav Menzel. Bereits im Juli 1911 veranlasste Elsa Asenijeff die heimliche Anlieferung der Küchenmöbel, um „Klinger damit [zu] überraschen". Anzunehmen ist, dass zu diesem Zeitpunkt der Umbau abgeschlossen war.

Nach Klingers Tod 1920 ging dessen gesamtes Erbe, darunter auch der Weinberg, an seine Frau Gertrud. Diese verkaufte den gesamten Weinberg 1931 an die Stadt Naumburg, sicherte sich aber ein Wohnrecht bis 1946 zu. Bereits in diesem Kaufvertrag wurde der Wunsch durch Gertrud Hartmann (verw. Klinger) geäußert, „in den vorhandenen Räumen ein Klingermuseum zu errichten". Bis 1955 war das Wohnhaus Klingers durch Familie Hartmann bewohnt, die der Stadt 1946 einen Teil des noch vorhandenen Klinger-Nachlasses vermachte. Da Waltraute Kraut, die Tochter Gertrud Hartmanns und rechtmäßige Erbin, die Erbschaft 1955 nicht antreten konnte, übernahm die Stadt den Nachlass. Dieser umfasste einen Großteil des Inventars, also Möbel und eine große Anzahl von Kunstwerken, darunter Gemälde und eine Vielzahl von Zeichnungen und Drucken.

Teile des Wohnhauses als auch des „Radierstübchens“ wurden Anfang der 1960er Jahre Weinbergsarbeitern als Wohnraum zur Verfügung gestellt. Jeweils ein Raum in beiden Gebäuden war der Öffentlichkeit zugänglich. Obwohl die Aktenlage sehr lückenhaft ist, kann man doch mit Sicherheit sagen, dass zu diesem Zeitpunkt die „Klinger-Gedächtnisstätte" über einen reichen Bestand an Ausstellungsstücken verfügte. Baulich vernachlässigt und mangelhaft gesichert, muss in der Zeit bis 1967 ein Teil des Nachlasses Klinger-Hartmann vermodert bzw. abhandengekommen sein. Beide Häuser wurden 1967 geräumt, da das Dach des Wohnhauses marode war und erneuert werden musste. Da die Mittel fehlten, das ursprüngliche Dach wiederherzustellen, erhielt das Wohnhaus einen sogenannten „Typendachstuhl“ von einem Standard-Einfamilienhaus. Dies veränderte die Optik des Gebäudes radikal. Die bis dato noch vorhandenen Möbel, welche sich in einem desolaten Zustand befanden, wurden vernichtet. Den noch vorhandenen Restbestand an Kunstwerken übergab man dem Naumburger Stadtarchiv, wo er unerfasst lagerte und im Lauf der folgenden Jahrzehnte zum größten Teil abhandenkam.

1971 entstand im Radierstübchen eine kleine Klingerausstellung, der bauliche Zustand des Wohnhauses hingegen blieb weiterhin unbefriedigend. Das Gelände auf dem Klingerweinberg mutierte im Zuge der Übernahme durch den Kulturfond der DDR 1980 zum Ferienobjekt für Künstler. Das Wohnhaus umgestaltet zum Klubhaus, bot nun Kunstschaffenden Raum, sich künstlerisch zu verwirklichen.

Nachdem die „Stiftung Kulturfonds“ das Gelände 1992 wieder in Erbpacht an die Stadt Naumburg „zur kulturellen Nutzung“ übergeben hatte, wurde die umfangreiche Sanierung des Gebäudes 2004 bis 2006 in Angriff genommen. Die An- und Umbauten der 1960 und 1980er Jahre wurden ebenso beseitigt wie der unpassende Typendachstuhl, so dass das Wohnhaus Max Klingers wieder das Erscheinungsbild hatte, das sein Erbauer einst anstrebte. Seit Juni 2006 präsentiert das Max-Klinger-Haus saisonal eine Ausstellung zum Leben und Werk Max Klingers.

Museumsverwaltung Naumburg (Saale)

Grochlitzer Straße 49
06618 Naumburg (Saale)

+49 3445 703503

info@museumnaumburg.de

Erreichbarkeit

Mo-Fr 08.00 Uhr bis 16.00 Uhr

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