Stadtmuseum Naumburg "Hohe Lilie"

1000 Jahre Stadtgeschichte in einem 750 Jahre alten Haus.

Das Haus zur "Hohen Lilie" ist eines der bemerkenswertesten Bürgerhäuser der Naumburger Altstadt.

Der Straßenseitige Turm (eine sog. "Kemenate") wurde bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet, zwei Anbauten stammen wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert, ein vierter Erweiterungsbau stammt aus der Barockzeit. Damit ist die "Hohe Lilie" eines der ältesten innerstädtischen Museumsgebäude Deutschlands.

Das preisgekrönte Museum zeigt die Spuren der 750 Jahre dauernden Nutzung, ergänzt durch Kapitel der Stadtgeschichte, die Exemplarisch das Werden und Bestehen einer bürgerlichen Kommune als sinnliches und intellektuelles Erlebnis erfahrbar machen.

Stadtmuseum Hohe Lilie

Markt 18
06618 Naumburg

Tel. 03445-703503 oder 200648

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10-17 Uhr
Montag Ruhetag

An Feiertagen (Oster- und Pfingstmontag etc.) geöffnet, am 24./25./31. Dezember und am 1. Januar geschlossen.

Eintritt

4,00 Euro / ermäßigt 3,00 Euro

Frei für Personen unter 18 Jahren und Schulklassen.

Führungen

Bitte anfragen.

Für Schulklassen, Kindergruppen bieten wir lehrplanbezogene Workshops für die Klassenstufen 5, 6 und 8 und ab Sommer 2020 eine thematische Museums-/Stadtrally. Bitte fragen Sie uns!

1000 Jahre Stadtgeschichte

Die Anfänge der Naumburger Geschichte gehen zurück ins frühe 11. Jahrhundert. Damals um die Jahrtausendwende errichteten Ekkehardt I, Markgraf von Meißen, hier eine "neue Burg". Im Jahr 1028 wurde der Bischofssitz auf Betreiben Ekkehards II und seines Bruders Hermann aus dem östlich gelegenen Zeitz in den Schutz der "Naumburg" verlegt - ein einmaliger Vorgang. Damit waren die Weichen gelegt für die allmählichen Entwicklung der zugleich entstandenen Kaufmanns-Ansiedlung zur Stadt, die in den nächsten Jahrhunderten zur vollen Blüte gelangte. Im 12. und 13. Jahrhundert bildete sich, abgeschieden von der Domfreiheit, rund um die Bürgerkirche St. Wenzel eine eigenständige Bürgerstadt heraus. Die jährlich stattfindende "Peter-Pauls-Messe" brachte der Stadt einigen Wohlstand und machte sie zum regional bedeutsamen Handelsplatz.

Nachdem eine Brandkatastrophe die Bürgerstadt im Jahr 1517 heimgesucht hatte, wurden die meisten Bürgerhäuser entlang der vier Hauptstraßen der Stadt neu - nun nicht mehr in Fachwerk, sondern in Steinbauweise - errichtet. Diese im Laufe des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts entstandenen Renaissance-Häuser prägen das Stadtbild noch heute.

Das 16. Jahrhundert war auch in anderer Hinsicht von großer Bedeutung für die Stadtgeschichte. Den Zentren der Reformation nahe, wurde auch Naumburg in die konfessionellen Auseinandersetzungen hineingezogen. Hier wurde mit Nikolaus von Amsdorf 1542 der erste evangelische Bischof von Luther eingesetzt, dem mit Julius von Pflug als letztem katholischem (!) Naumburger Bischof ein international bedeutender Gelehrter im Amte folgte.

Naumburg war zu jener Zeit eine wohlhabende Stadt, deren Bevölkerungszahl bis zum Beginn des 30-jährigen Krieges beständig anstieg. Die gravierenden Verluste aber, die jene verheerenden Kriegsjahre (und es folgten ja auch noch die Kriege des 18. Jahrhunderts) mit sich brachten, konnte die Stadt bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein nicht mehr ausgleichen. Der einstige Wohlstand wich bescheideneren Verhältnissen. Wo früher Kaufleute mit weitreichenden Handelsbeziehungen wirkten, waren es nun eher Krämer und Handwerker, die die ökonomischen Verhältnisse repräsentierten. Die Stadtentwicklung stagnierte das ganze 18. Jahrhundert hindurch und erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ändert sich dies.

Das Königreich Preußen, dem Naumburg nach den "Befreiungskriegen" zugeschlagen worden war, installierte ein Oberlandesgericht und ein Schwurgericht in der Stadt und zunehmend wurden Armee-Einheiten hier stationiert. Es gab einen erheblichen Zuzug höherer Beamter und Offiziere, die sich mit ihren Familien niederließen. Ihnen folgten wohlhabende Rentner und Pensionäre und um die Wende zum 20. Jahrhundert trug Naumburg, an dem die Industrialisierung fast spurlos vorbeigegangen war, den Spitznamen "Pensionopolis", abermals eine blühende Bürgerstadt, von mehreren Villenvierteln umgeben.

Das spezifische, ausgeprägt pietistische Kleinstadt-Milieu der Stadt prägte auch (wenngleich im Widerspruch) deren berühmtesten Sohn, Friedrich Nietzsche. Er verbrachte hier den größten Teil seiner Kindheit, besuchte im nahen Schulpforte das Internat und er wurde in Naumburg in den Jahren der Umnachtung 1890-97 von seiner Mutter gepflegt.

Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete vorerst auch das Ende des Wohlstands, denn das zum großen Teil aus Beamten und Pensionären bestehende Bürgertum verlor mit der Währungsreform auch einen großen Teil seines (Geld-)Vermögens. Anstrengungen, Industriebetriebe in der Stadt anzusiedeln und Industriearbeitsplätze zu schaffen, (man versuchte schon damals, die - vorerst - nicht mehr gebrauchten Kasernen an Gewerbetreibende zu vergeben) gelangen nicht im angestrebten Umfang.

Die 12 Jahre des Nationalsozialismus änderten an der wirtschaftlichen Lage der Stadt wenig, bis auf die Tatsache, daß die Rüstungspolitik wieder eine große Zahl von Soldaten in die alte Garnisonsstadt brachte. Kasernen wurden neu erbaut und der große Komplex des "Heereszeugamts" entstand. Diesen Einrichtungen hatte die Stadt dann wohl auch die Bombenschäden zu verdanken, die in der Innenstadt und in der Nähe des Heereszeugamtes einige Menschen das Leben kosten sollten. Die erst Ende der zwanziger Jahre für ein größeres Publikum "entdeckten" Stifterfiguren des Naumburger Domes, besonders aber Uta, brachten zum ersten Mal eine größere Zahl von Touristen in die Stadt. Naumburg wurde Ziel von KDF-Fahrten.

Der barbarischen "Rassenideologie" der Nazis fiel auch die kleine jüdische Gemeinde der Stadt zum Opfer, die sich im 19. und 20. Jahrhundert gebildet hatte. Der größte Teil ihres Besitzes wurde "arisiert". Bereits 1494 waren die Naumburger Juden aus der Stadt vertrieben worden und über Jahrhunderte hatte man - rechtgläubig wie man im protestantischen Kernland war - keine Juden mehr in der Stadt geduldet. Die Nachkriegszeit brachte für Naumburg zunächst einmal den Verlust der alten Eliten, die - politisch in der Mehrheit traditionell der deutschnationalen Rechten zugeneigt - entweder die Flucht Richtung Westen ergriffen oder sich staatlichen Sanktionen ausgesetzt sahen. Wie bereits nach dem ersten Weltkrieg, nun aber in noch weit erheblicherem Umfang kam es zu einem Austausch der Bevölkerung.

Das traditionell bürgerliche Naumburg, das selbst kaum nennenswerte Industrie aufwies verwandelte sich in eine Schlafstadt für eine Vielzahl von Arbeitern, die per Eisenbahn in das Chemierevier um Leuna pendelten.

Baugeschichte

750 Jahre, von der Romanik bis in die Gegenwart, haben ihre Spuren im Haus „Zur Hohen Lilie“ hinterlassen, die sich bei einem Museumsbesuch entdecken lassen. Bekannt ist das Gebäudeensemble unter der Bezeichnung „Hohe Lilie“. Aber warum? 1760 kauft der wohlhabende Kaufmann Adam Friedrich Bretschneider diesen Gebäudekomplex und fügt 1792 den „Barockbau“ hinzu. Bretschneider erwählt für sein Wappenschild die Lilie und lässt es als Hauszeichen anbringen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts geht der von ihm geprägte mittelalterlich anmutende Hausname „Zur Hohen Lilie“ auf den Hausnamen über.

Die Bausubstanz des Gebäudekomplexes der Hohen Lilie vermittelt nicht nur ein fast vollständig erhaltenes Bild der frühneuzeitlichen Bau- und Wohnkultur, sondern auch exemplarisch die Naumburger Stadt- und Hausgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Eigentlich handelt es sich bei unserem Bauwerk um vier verschiedene Teilgebäude, die erst im Laufe ihrer Geschichte zusammengewachsen sind: das Turmhaus, der Nordbau, der Küchenbau und der Barockbau.

Unverkennbar ist das Turmhaus, die sogenannte „Kempte“. Das schmale hohe Haus fällt schon allein durch die besondere Giebelgestaltung auf. Ein spätgotischer Staffel­giebel mit Blendmaßwerk ziert den Turm an der nordwestlichen Markt­platzecke. Um 1250 errichtet, entstammen die Mauern bis ins zweite Obergeschoss hinein noch der spätromanischen Bauphase. Damit gehört die „Hohe Lilie" zu den ältesten Häusern der Bürgerstadt. Das Turmhaus dient in den ersten drei Jahrhunderten vorranging als steinerner Speicherbau, also zur feuer- und diebstahlsicheren Lagerung von wertvolleren Waren.

Der im Westen anschließende „Küchenbau“, der heute durch das vorgelagerte Gebäude „Zwölf Apostel“ (M&N Moden GmbH) verdeckt ist, war möglicherweise ursprünglich ein eigenständiges Gebäude, das erst im frühen 16. Jahrhundert an den romanischen Turm angeschlossen wird. Besonders bemerkenswert ist die sogenannte Schwarzküche im 1. OG, die 500 Jahre lang als Küche genutzt wird.  Augenfällig ist der raumgroße Rauchfang, der sich nach oben zu einem Kamin hin verjüngt und im Dachraum endet. Dies hinterlässt Spuren, so sind die Wände der Schlotküche schwarz vor Ruß und Rauch des offenen Feuers.

Beim großen Stadtbrand von 1517 werden das Turmhaus wie auch der angrenzende „Küchenbau“ bis auf die Grundmauern zerstört. Dem wohlhabenden Kaufmann Sigismund Zewicker, der 1525 die „Hohe Lilie" erwirbt, verdanken wir den repräsentativen Um- und Wiederaufbau des Wohnturmes sowie den nördlichen Anbau von 1532. Der Erbauung im spätgotischen Stil erfolgt sukzessiv zunächst mit dem „Küchenbau“ von 1517, 1526 mit dem Wohnturm und bis 1532 mit dem Nordbau. Die bis 1517 vorhandenen Holzdecken im Keller und Erdgeschoss werden durch steinerne Gewölbe ersetzt. Auch die für die Wohnnutzung kennzeichnende reich profilierte Fenstergliederung des Obergeschosses und der spätgotische Staffelgiebel gehören in die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts. Die großen Mauerdurchbrüche im Erdgeschoss (Eingang, Schaufenster, Durchgang) indes sind Überformungen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Zewicker lässt die marktseitige „Prunkstube" standesgemäß herrichten. Farbig gefasste Konsolfiguren, Portraits von ihm und seiner Frau, schmücken den Raum. Zudem lassen sich Spuren sieben verschiedener Raumfassungen von 1526 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der Prunkstube entdecken. Zahlreiche Tapeten- und Farbfassungsreste des 16., 17., und 18. Jahrhunderts, eine Volutendecke des 18. Jahrhunderts und Holzpaneele des 19. Jahrhunderts geben Zeugnis von der 450jährigen Nutzungsgeschichte.

Der im Norden anschließende Saalgeschossbau („Nordbau“) ist um 1532 errichtet. Von Beginn an bildet er eine funktionale Einheit mit dem Turmhaus. Ob sich davor an gleicher Stelle schon ein Vorgängerbau befand, ist unbekannt. Auch der Nordbau birgt unter den Überformungen des 19. und 20. Jahrhunderts bedeutende Ausstattungen der Bauzeit, so die „Bohlenstube“ mit Bohlen-Balken-Wänden aus dem 17. Jahrhundert, das um 1525 errichtete Portal mit spätgotischen Türgewände und eine Außenwand mit fein gearbeitetem Fenstergewände aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Das nördlich anschließende jüngste Gebäude ist der wohl im 17. Jahrhundert als eigenständiges Haus errichtete „Barockbau“. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wird dieses sehr schlichte Bauwerk mit dem „Nordbau“ vereinigt. Bewohnt wird die „Hohe Lilie“ im 16. Jahrhundert ausschließlich von wohlhabenden Kaufleuten. Erst im 17. und 18. Jahrhundert leben weniger betuchte Familien im Gebäudekomplex. Wohl im Jahr 1878 eröffnet in der Hohen Lilie die Papierwarenhandlung und Buchbinderei Georg Breden (gegr. 1832) ihr Geschäft, welches bis in die 1940er Jahre hinein hier im Markt 18 untergebracht ist. Erst gegen Ende der 1940er Jahre wechselt der Geschäftsinhaber, ein Konsum für Papierwaren zieht ein. Bis zur umfassenden Sanierung und Restaurierung des gesamten Gebäudekomplexes und dem Umbau desselben zum Museum in den Jahren 1991-1999, besteht dieses Geschäft im Haus Markt 18.

Bei einem Museumsbesuch lassen sich viele überraschende Details aus der Hausgeschichte der „Hohen Lilie“ wie beispielsweise ein eigener Hausbrunnen oder Brandspuren von 1517 entdecken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Museumsverwaltung Naumburg (Saale)

Grochlitzer Straße 49
06618 Naumburg (Saale)

+49 3445 703503

info@museumnaumburg.de

Erreichbarkeit

Mo-Fr 08.00 Uhr bis 16.00 Uhr

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