Reichskrone – kurzer historischer Abriss

Von der wilden Nutzungsgeschichte der Reichskrone sind nur wenige Spuren erhalten. Seit der Eröffnung im Jahr 1883 diente das Gebäude, welches durch die Reichsgräfin Ida von Hoffmannsegg initiiert und finanziert worden war, als Hotel und Theater. Der dreigeschossige, im Stil der Neorenaissance errichtete, multifunktionale Bau verfügte über drei Säle und 32 Zimmer, wobei der opulente Festsaal mit Parkett und zwei Galerien Platz für etwa 1250 Gäste bot. Besonders auffallend in der Festsaalgestaltung war die künstlerische Ausführung der Saaldecke, die neben mythologischen Szenen und ornamentalen Motiven auch die vier Allegorien des Theaters (Musik, Tanz, Drama, Komödie) zeigt. Für die Umsetzung waren die Naumburger Dekorationsmaler und Brüder Friedrich Adolph und Friedrich Gustav Romstedt verantwortlich.

1897, zwei Jahre nach der Erfindung des Kinos, wurden dort erstmals bewegte Bilder einer Russland-Reise mit einem Kinematographen gezeigt. Nachdem das Gebäude im Ersten Weltkrieg als Lazarett umfunktioniert wurde, fanden 1923/24 grundlegende Erneuerungen durch den von der Stadt beauftragten Baurat Friedrich Hoßfeld statt. Neben der Modernisierung von Foyer, Orchestergraben und Festsaal wurde dieser gleichzeitig verkleinert, seine historische Decke inklusive zweitem Rang verschwanden unter einem Muldengewölbe. Die Reichskronen-Lichtspiele bekamen eine feste Bestuhlung für 704 Personen und für das immer beliebter werdende Kino eine angemessene Aufführungsstätte.

Die Nationalsozialisten, die 1934 mit ihrer Parteizentrale einzogen, entfernten die anthroposophischen Jugendstilelemente im Theatersaal und passten ihn dem schlichten Zeitgeist an. In der DDR-Zeit wurde das Gebäude als Haus des Volkes unter anderem von der SED-Kreisleitung genutzt. Bis in die 1960er Jahre fanden im Saal Theateraufführungen statt, bis in die 1980er Jahre diente der Theatertrakt als Kino und Veranstaltungsraum für Konzerte und Jugendweihen.

Ein vorgefundenes Fragment des Plakats zum sowjetischen Film Nacht ohne Gnade aus der Zeit des Kalten Krieges verweist auf die politische Propaganda der DDR-Regierung. Noch bis 2001 nutzten Unternehmen, Vereine und Parteien die Reichskrone als Bürohaus. Seitdem steht das Gebäude leer.

„Zu den Drei Schwanen“ – kurzer historischer Abriss

Neben den Reichskronen-Lichtspielen war das Schwanen-Filmtheater eine beliebte Anlaufstelle für das Naumburger Kinopublikum. Als es im Jahr 1920 gegründet wurde, war der denkmalgeschützte Gebäudekomplex in der heutigen Jakobsstraße 28–29, der aus drei zusammengelegten Häusern bestand, bereits seit über vier Jahrhunderten als Gasthof in Nutzung. Nach dem großen Stadtbrand von 1517 wurde das Areal neu bebaut und umgestaltet.

Der Gasthof Zu den Drei Schwanen, einer der ältesten der Domstadt, durchlief einen regen Besitzerwechsel und konnte eine spannende, mitunter adlige und königliche Gästeliste vorweisen. Die beiden stattlichen, der Straße zugewandten, trauf- und giebelständigen Haupthäuser besitzen an ihrer Sandsteinoberfläche eine Inschrift- und Relieftafel mit der Jahreszahl 1544 sowie eine Auferstehungsdarstellung Christi aus dem Jahr 1553. In ihrem Inneren befindet sich über einem Gewölbekeller ein großer, kreuzgratgewölbter Raum mit sechseckiger Mittelstütze und großem, quadratischem Kapitell, an dem Flachreliefs mit christlichen Darstellungen angebracht sind. Von einer umlaufenden Galerie im Obergeschoss gingen Fremdenzimmer ab. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bot das Hotelrestaurant 25 Übernachtungsgästen Platz.

Das 1918 gegründete Schwanentheater wurde bereits zwei Jahre später in das Schwanen-Filmtheater umgewandelt. Nach einer Erneuerung 1948 bot es dem Kinopublikum bis zu 490 Personen Platz. Mit der Umbenennung der Jakobsstraße in die Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft folgte schließlich auch die Namensänderung in Filmtheater der Freundschaft. Nach der politischen Wende übernahm 1991 die Ufa Theater AG das Kino und bereits zwei Jahre später kam das endgültige Aus.

Seit 2014 ist der Gebäudekomplex in städtischem Besitz. Der Kinosaal musste abgerissen werden. Übriggebliebene Filmrollen erinnern noch an die ehemalige Nutzung als Filmvorführungsstätte. Trotz einiger Bestands- und Sicherungsmaßnahmen in den letzten Jahren ist der Schwanenabgesang nur schwer aufzuhalten. Im Inneren und an der Außenfassade lösen sich die Farbschollen, Putz fällt von der Decke und die Natur wächst durch die Fenster.