Geschichte Kino – kurzer Exkurs
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden in Europa und in den USA Apparate zum Filmen und Projizieren bewegter Bilder entwickelt. Erste technische Vorstufen waren bereits durch die Laterna Magica und das Wunderrad bekannt. Als Geburtsstunde des Kinos gilt heute die erste Vorführung bewegter Bilder mit einem Kinematographen durch die französischen Brüder Lumière im Jahr 1895.
Den nur wenige Sekunden langen Filmsequenzen, die alltägliche Momente wie einen einfahrenden Zug zeigten, fehlte jedoch noch jegliche erzählerische und dramaturgische Gestaltung. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich das Erzählkino mit fiktionalen Stoffen zu etablieren. Auch die Vorführungsorte veränderten sich. Jahrmarkts- und Wanderkinos wurden durch ortsfeste Filmtheater ersetzt, was der zunehmenden Industrialisierung des Films, dem Aufbau eines internationalen Vertriebssystems und letztendlich seiner steigenden Popularität geschuldet war.
Mit der Erfindung der Montagetechnik und insbesondere der Umstellung von Stumm- auf Tonfilme Ende der 1920er Jahre erfuhr das Kinowesen einen bedeutenden Aufschwung. Das Kino avancierte zu einem Fixpunkt der modernen Massenkultur. Während es sich noch innerhalb der Weimarer Republik künstlerisch frei entfalten konnte, folgten mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten Jahre staatlicher Kontrolle, Ausgrenzung und propagandistischer, völkisch-ideologischer Einflussnahme.
In den ersten Nachkriegsjahren kam das komplette Genre schließlich zum Erliegen. Spielstätten waren zerstört und Produktionsgesellschaften wurden aufgelöst. Durch die Erteilung von Lizenzen an deutsche Filmproduktionsfirmen in Westdeutschland und die Gründung der staatlichen Film-Monopolgesellschaft DEFA in der ehemaligen DDR stabilisierte sich die Filmindustrie wieder. Zwar gehörte der Kinobesuch zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Ost und West, jedoch unterschieden sich die Filme in ideologischer Ausrichtung, Themenwahl und Ästhetik grundlegend voneinander. Auch die Spielstätten variierten voneinander. Während in der DDR neben den bestehenden Filmtheatern auch Klub- und Kulturhäuser für Filmvorführungen genutzt wurden, entstanden in der BRD zunächst noch zahlreiche Neubauten für diese Freizeitbeschäftigung.
Das Kino-Sterben aufgrund der Verbreitung des Fernsehens setzte in der BRD ab Mitte der 1960er Jahre bereits früher ein als in der DDR. Nach der politischen Wende erlebten die Kinos durch den Bau großer Multiplex-Kinocenter einen Aufschwung. Die Möglichkeit, das eigene Wohnzimmer mit entsprechender Technik zum Home Cinema aufzurüsten, erschwert das Überleben vieler Kinohäuser. Von den ehemals vier Naumburger Lichtspielstätten existiert heute noch ein modernes Kinocenter.